Wenn es im Wahlkampf an der Haustür zweimal klingelt. Wer steht davor? Wir müssen Cineasten enttäuschen. Nicht der Postmann ist es, sondern ausnahmsweise der/die Bewerber:in für die Bürgermeisterwahl. Er oder sie wollen sich persönlich vorstellen. Sie tun es, weil sich Menschen am besten von Menschen überzeugen lassen. 2008 hat es bei Obama funktioniert. Der Präsidentschaftskandidat hat auch Bürgermeisterkandidat:innen auf die Idee gebracht.
Wahlkämpfer:innen nutzen seither bei ihren Kampagnen wieder ein Wahlkampfinstrument aus scheinbar längst vergangenen analogen Wahlkämpfen. Der Tür-zu-Tür-Wahlkampf ist zurück. Aber geklingelt wird nicht an zufällig, sondern an ausgewählten Türen. Denn erfolgversprechend ist die persönliche Ansprache nur, wenn sich Wahlkämpfer an den richtigen Türen zeigen. Deswegen wenden sie datengestütztes Targeting an.
Mit dem Instrument des Haustürwahlkampfs lassen sich Menschen erfolgreich mobilisieren. Das funktioniert besonders gut bei Sympathisant:innen. Menschen, die einem/er anderen Bewerber:in zuneigen, lassen sich an der Haustüre nicht umstimmen. Tür-zu-Tür-Wahlkampf sollte deswegen nur in den Straßen und Quartieren stattfinden, in denen die jeweiligen Zielgruppen leben. Falls die Bewerber:in von einer Partei unterstützt wird, sollte er/sie in die Ortsteile gehen, in denen die Partei bei Wahlen überdurchschnittlich gut abschneidet, aber keine Höchstwerte erreicht. Ein Besuch an der Haustüre dauert 30 bis 60 Sekunden.
