Das haben wir so nicht bestellt! Wer seinen Wahlkampf Anfang 2022 plant, sieht sich plötzlich mit veränderten Voraussetzungen konfrontiert. Die Omicron-Variante des Corona Virus breitet sich aus. Kontakte vermeiden ist wieder angesagt. Womöglich bis in den Sommer hinein. Mutmaßlich dürften die nächsten Wahlkämpfe deswegen nicht offline im öffentlichen Raum und an Haustüren stattfinden, sondern im Netz. Hinter Townhalls und Vorstellungsrunden in geschlossenen Räumen stehen mindestens riesengroße Fragezeichen.

Im Sommer spürten wir noch die Sehnsucht, Menschen persönlich zu treffen. Kandidatinnen und Kandidaten haben es im Bundestagswahlkampf 2021 genossen, sich mit Wählerinnen und Wählern direkt auszutauschen. Unternehmensbesuche waren in präsenz möglich. Während des Bundestagswahlkampfes beliebt waren auch Pop-up Wahlstände, Gartengespräche und Tür-zu-Tür-Wahlkampf. Wir dachten damals noch irrtümlich, wir wären mit der Pandemie soweit durch.

Gut zwei Monate später hat uns eine neue Virus-Variante aufgeschreckt. Wir wissen noch nicht wie gefährlich Omicron ist, wie sehr uns eine Impfung schützt und welche Regeln gelten. Wie wird unser Leben in den kommenden Monaten mindestens bis Ostern aussehen? Werden Spaziergänge mit Bürgerinnen und Bürgern möglich sein? Müssen wir Maske tragen, wenn wir uns mit anderen treffen, Maske nur innen oder auch draußen?

Die Blaupause für Wahlkämpfe in Zeiten von Omicron könnte der Landtagswahlkampf 2021 in Baden-Württemberg sein. Analoge Wahlkampfinstrumente wie Plakate und Flyer waren plötzlich wichtig, weil sie sichtbar machten, und natürlich auch alles, was im Web passierte. Aber Vorsicht! In Zoom-Meetings verirrten sich meistens nur wenige Interessierte, die zuhören oder mitreden wollten. Das war oft eine zähe Show.

Für Fachgespräche wie zum Beispiel mit Akteurinnen und Akteuren der Kulturbranche, der Innenstädte in Not oder auch der DEHOGA eigneten sich solche Meetings aber sehr gut und auch digitale Unternehmensbesuche funktionierten. Wichtig bei Online-Veranstaltungen, die breiter gestreut werden sollten, war, dass sie gestreamt wurden und auf Facebook oder Youtube hinterher verfügbar waren. Niederschwelligkeit war entscheidend. Gut angekommen sind auch Formate wie Insta-Lives.

Apropos Social Media. Wichtig ist, dass sich Kandidatinnen und Kandidaten dort im Web aufhalten, wo sie ihre Zielgruppen treffen können. Social Media sind wichtige Orte für Begegnungen. Entscheidend ist aber die Ansprache. Was zählt, sind Emotionen und Interaktionen. Und (Image-)Videos sind für einen digitalen Wahlkampf unverzichtbar.