Neulich in der Hitze der Nacht, als mir der Ventilator endlich ein bisschen kühlere Luft zufächerte, habe ich mir eine Gutenachtgeschichte gegönnt und wieder einmal bei „Lanz & Precht“ reingehört. Seither schwirrt mir Prechts Aussage durch den Kopf, dass der soziale Friede und unsere Werte stark von unserem Wohlstand abhängen. Streng genommen hätte ich den Podcast nicht gebraucht. Auf diese Idee war ich längst selber schon selber gekommen.

Es wird nicht nur wettermäßig immer heißer, aber auch die Temperatur steigt. Und dann war da noch „Heute-Journal“-Moderator Christian Sievers, der „die Hitze“ dieser Woche mit folgenden Worten anmoderierte: „Es kann sein, dass dies der kälteste Sommer ist für den Rest unseres Lebens.“

Hitze, immer mehr heftige Wetterereignisse folgen aufeinander und unserer Städte und Gemeinden müssen sich vorbereiten. Die Klimakrise ist da. 

Einen nationalen Hitzeplan wie in Frankreich gibt es bei uns noch nicht. Aber von „Kältesälen“ und Schatten ist auch bei uns die Rede und auch von besonders Gefährdeten.

Während wir uns gerade so durch den Juli schwitzen, werfen unsere Kommunen schon bange Blicke auf die Zeit, in der es wieder kälter wird. Das Gespenst der Gaskrise steht an der Wand. Konstanz, die Stadt in der ich lebe, überlegt gerade, wie sie Gas einsparen kann. Drastische Schritte könnten folgen. Der Gemeinderat entscheidet genau heute am Donnerstag (21. Juli) darüber, ob die Stadt zwei ihrer drei Bäder ab 1. August schließen soll. Von einer möglichen Schließung betroffen wären das Hallenbad am Seerhein und die Bodensee-Therme Konstanz inklusive Sauna. Mit der vorübergehenden Schließung soll weniger Gas verbraucht werden, steht in der Sitzungsvorlage.

Kein Warmbaden im Winter? Das hört sich nach Jammern auf hohem Niveau an, ist es ja wahrscheinlich auch und es ist auch noch nicht entschieden. Aber die nach oben offene Krisenskala ist nicht mehr zu übersehen.

Richtig schlimm wäre es, wenn die Wirtschaft in Folge des Gasmangels in die Knie gehen würde und Menschen in ihren Wohnungen im Winter frieren müssten, weil entweder zu wenig Gas durch die Leitung fließt oder sie schlicht das Heizen nicht mehr bezahlen können. Statt „Kältesäle“ bräuchte es dann womöglich öffentliche Wärmestuben.

Was all das mit einer Bürgermeisterwahl zu tun hat? Sehr viel finde ich. Denn die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister sind die ersten Ansprechpartner, sie sind das Krisenmanagement vor Ort. Die Bürgermeisterin und der Bürgermeister, die gerade erst vom Macher zum Moderator geworden sind, müssen zunehmend auch noch eine andere Eigenschaft besitzen: Resilienz, so etwas wie psychische Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. Notwendig sein wird angesichts der riesengroßen Herausforderungen, vor denen wir stehen, zudem Empathie, die Fähigkeit empathisch zu handeln und mit den Bürgerinnen und Bürgern auf Augenhöhe zu kommunizieren.